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Tanausú: König der Guanchen von Harald Braem Wednesday, 22 February 2017

Posted by greyowl in Rezensionen / Reviews.
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Wir tauchen in eine bislang unbekannte Welt des Mittelalters hinein, die Kultur der Guanchen der Kanarischen Inseln, die grösstenteils von der Aussenwelt abgeschnitten existieren, weder Metall noch Papier kennen, jedoch einen eigenen Glauben, eine fortgeschrittene Ethik und eine raffinierte Heilkunde besitzen. Zwei Fäden leiten uns durch die Geschehnisse: Eine herzliche Liebesgeschichte zwischen Bencomo und Ica, und der spannende Zusammenprall zweier Zivilisationen, als die Spanier sich verpflichtet fühlen, die Insel La Palma zu erobern und die Einheimischen zum christlichen Glauben zu bekehren.

Die Landschaft, die Bräuche der Ureinwohner, die einfachen Lebensbedingungen erleben wir durch eine reiche, polierte Sprache; die Persönlichkeiten beider Völkern kommen uns glaubwürdig nahe. Die tragischen Auseinandersetzungen wirken historisch akkurat und ziehen uns in ein aufgeregtes Mitgefühl hinein.

Prägende Elemente sind, einerseits, die gleichgültige, schamlose Haltung des General de Lugos und der anderen Konquistadoren; und die arrogante Härte des Kardinals Innozenz bei der Zwangsbekehrung der ‘Wilden’ verglichen mit der respektvollen, dienenden Haltung des Paters Ángel und der sensiblen Unsicherheit des jungen Schreibers Domingo. Andererseits sind es die einfachen aber realistischen Charaktere mehrerer Einheimische, die von Passion und Treue gekennzeichnet sind, die unsere Herzen gewinnen.

Das Buch ist aus einem ‘omnipotenten’ Blickwinkel geschrieben, d.h. wir erfahren was alle Akteure tun, denken und fühlen, egal ob jemand anders dies hätte beobachten könnte. Dies führt aus meiner Sicht zu einigen schwierig zu akzeptierenden Merkmalen. Zum Beispiel, da die Einwohner an Götter der Unter- und Oberwelt glauben, hören sie auf ihre Stimmen aus den Berggipfeln und von den kreisenden Krähen und Adlern; ihre Seelen wandern auch nach dem körperlichen Tod weiter und wir erfahren was sie dann noch denken und fühlen.

Der Autor ist sicher sehr vertraut mit der Geschichte der Inselbewohnern und beschreibt alles sehr glaubhaft und anschaulich, mit viel Acht auf die umgebende Natur und die Gefühle der Menschen.

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