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Absolut Plass – Lesung mit Adrian Plass Sunday, 11 February 2007

Posted by greyowl in Berichte.
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Ja, Adrian Plass war da, in der Back Station in Winterthur. Das konnte ich nicht verpassen!

Mit seiner trockenen englischen Humor plaudert er vor sich hin – vom geschenktem “Bustenhalter” (das Wort hat er so gern, kann aber das “ü” nicht aussprechen) bis zur Auseinandersetzung mit seinem 17-jährigen Sohn, bei der es nur einen Ausweg gäbe: er wusste noch nicht genau wann oder wie, aber umbringen müsste er ihn! – über lustige Missverständnisse, fromme Heuchelei, seine eigenen Versagen, und Liebe. Man spürt seine Abneigung gegen amerikanische Supergeistlichkeit – “I’m going to ask you – right now – just wherever you are sitting right now – right now – to turn to the person sitting next to you – right now – and just exchange your clothes with him or her. Right now! Don’t be ashamed, we’re all Christians here. Just take off your clothes and swap them with the person sitting next to you. Right now!” Man wird angeleitet, mit wildfremden Sitznachbarn die beschämendsten Sünden zu bekennen. Ist das nicht gewagter, als im Gottesdienst die Kleider zu tauschen?

Zwei Aufgaben hätten Christen auf dieser Welt: geliebt zu sein, und etwas zu tun. Einfach etwas, aus dem Geliebtsein. Es gäbe genug Not zur Auswahl!

Zum König geboren – Dorothy L. Sayers Sunday, 11 February 2007

Posted by greyowl in Rezensionen / Reviews.
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Was bewegt eine Krimiautorin in der Kategorie von Agatha Christie ein Hörspiel über das Leben von Jesus zu schreiben? Und wie hatte sie wohl die Frechheit, im Jahr 1943 solch eine menschliche Betrachtung dieses grössten Drama der Weltgeschichte zu dichten?

Das Buch ist eine leidenschaftlich starke Darstellung des Lebens Jesus, aus einer unerwartet menschlichen Perspektive. Die Alltagssprache bringt echte, lebensfröhliche oder verwirrte Personen zum Vorschein: eine Maria Magdala – ehemalige Tänzerin und Sängerin für die römischen Soldaten – lässt sich in eine passionierte Anhängerin ihres Helden verwandeln, voll Heiterkeit, Tiefgang und einer Hingabe, die sie nicht einmal vor dem Kreuz ausweichen lässt; oder ein Matthäus, der einfache bodenständiger Realist, der Jesus über alles liebt. Schockierend ist z.B. die Entdeckung in Judas Ischariot eines sehr intelligenten, politisch aufgeklärten, überzeugten und ergebenen Nachfolgers, der Jesus leider missversteht, und ihn verrät, in der Überzeugung, er bewahrt ihn vor dem grossen Fehltritt – und seinen Fehler fürchterlich bereut.

Auch die Ausseinandersetzungen zwischen den jüdischen Priestern und Ältesten, Pilatus und seiner Frau sind überraschend lehrreich: ein Kaiaphas, der die Meinung vertritt, die neue Weltordnung könne man nicht widerstehen, der einzige Ausweg für das Volk Israel sei die Kompromissbereitschaft mit den römischen Herrschern, und die Erwiderung Josefs von Arimathea: Ist es möglich, dass er sah, was du sahst, und wollte lieber die Tür weit aufwerfen? Nicht, um auszuschliessen, sondern, um einzuschliessen? Nicht, um Israel an Rom zu verlieren, sondern, um Rom in die Herde Israels aufzunehmen?

Ein spannendes Buch von einer teifgläubigen gelehrten Katholikin, die Jesus sowohl theologisch wie auch menschlich versteht und über allem liebt. Viele fantasievolle Details faszinieren und führen zum Nachdenken: Kinder, Dienstmädchen zeigen unerwartete Ansichten; der Hauptmann bei der Kreuzigung war der gleiche, dessen Diener Jesus geheilt hatte – eine spannende Begegnung; Balthasar, einer der Weisen aus dem Morgenland, der dem Jesuskind Myrrhe brachte, erscheint wieder – wieder von einem Stern geleitet – bei der Kreuzigung, und sieht seine prophetisches Zeichen in Erfüllung gehen.

Ein altes Buch – “The Man Born to be King” – leider auf deutsch schon lange vergriffen, das viel mehr Beachtung verdient. Und die Aufnahmen der 12 BBC-Episoden vom Jahr 1942 (und mehrerer Wiederholungen) existieren noch, wurden aber nie herausgegeben. Schade, schade!